Kaufberatung
Kabel und Leitungen auswählen
Querschnitt, Verlegeart und Einsatzbereich korrekt unterscheiden.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
„Kabel ist Kabel“ ist einer der teureren Irrtümer im Hausbau. Die Auswahl entscheidet darüber, ob eine Leitung dreißig Jahre hält oder nach drei Jahren zum Sicherheitsproblem wird – und ob sie im Brandfall Teil des Problems ist.
Dieser Artikel ordnet die gängigen Typen ein und erklärt, wonach ausgewählt wird. Die verbindliche Auslegung für deine Anlage macht die Elektrofachkraft; sie kennt Verlegeart, Häufung, Leitungslänge und Absicherung.
Kabel oder Leitung?
Fachlich gibt es einen Unterschied: Kabel sind für die Verlegung im Erdreich und im Freien gebaut, Leitungen für die Verlegung in Gebäuden. Umgangssprachlich wird beides Kabel genannt. Wichtig ist nicht das Wort, sondern dass du die richtige Bauart für den Einsatzort wählst.
Die wichtigsten Typen
Mantelleitung für die feste Verlegung
Die graue Standardleitung der Hausinstallation, meist als NYM bezeichnet. Für die feste Verlegung in trockenen und feuchten Räumen, unter Putz, in Leerrohren, auf Putz und im Mauerwerk.
- Starre Kupferadern, kunststoffummantelt.
- Nicht für das Erdreich und nicht für dauernde Bewegung.
- Nicht für dauerhafte direkte Sonneneinstrahlung – der Mantel wird spröde.
Erdkabel
Meist als NYY bezeichnet, schwarz, mit deutlich robusterem Mantel. Für die Verlegung im Erdreich, im Freien und in Beton.
- Beständig gegen Feuchtigkeit und mechanische Belastung.
- Die einzig zulässige Wahl für Leitungen im Boden – siehe Außenstrom sicher installieren.
Gummischlauchleitung
Die schwarze, flexible Leitung für Geräteanschlüsse, Verlängerungen und Baustellen, oft als H07RN-F bezeichnet.
- Sehr flexibel, mechanisch belastbar, beständig gegen Öl und Witterung.
- Für bewegliche Anwendungen, nicht für die feste Verlegung unter Putz.
- Die richtige Wahl für Verlängerungen im Garten und an Baustellen.
Flexible Anschlussleitung
Die helle, dünne Leitung an Haushaltsgeräten und Leuchten, oft als H05VV-F bezeichnet. Nur für leichte Beanspruchung in Innenräumen, nicht für draußen und nicht für die feste Verlegung.
Einzeladern im Leerrohr
Meist als H07V-U (starr) oder H07V-K (flexibel) bezeichnet. Werden in Leerrohre eingezogen – im Verteiler, in Installationsrohren und dort, wo später nachgerüstet werden soll.
Was nicht in die Hausinstallation gehört
- Klingeldraht für Netzspannung. Er ist für Kleinspannung gebaut.
- Lautsprecherkabel als Verlängerung. Keine ausreichende Isolierung, kein Schutzleiter.
- Beschädigte Leitungen mit Isolierband geflickt.
- Leitungen unbekannter Herkunft ohne Kennzeichnung auf dem Mantel.
Die Aderkennzeichnung
- Grün-gelb ist immer und ausschließlich der Schutzleiter.
- Blau ist der Neutralleiter.
- Braun, schwarz, grau sind Außenleiter.
- In Altanlagen können die Farben abweichen – dort ist keine Farbe ein Nachweis. Gemessen wird trotzdem.
Die Bezeichnung auf dem Mantel, etwa „3G1,5″, bedeutet: drei Adern, davon eine grün-gelb (das G), Querschnitt 1,5 Quadratmillimeter. Steht dort ein X statt des G, ist kein Schutzleiter enthalten.
Der Querschnitt

Der Querschnitt wird nicht nach Gefühl gewählt. Er ergibt sich aus mehreren Faktoren gleichzeitig:
- Der Strom, der dauerhaft fließen soll.
- Die Verlegeart. Eine Leitung unter Putz oder in gedämmter Wand kann die Wärme schlechter abgeben als eine frei auf Putz verlegte.
- Die Häufung. Mehrere Leitungen nebeneinander im selben Rohr erwärmen sich gegenseitig.
- Die Länge. Über lange Strecken fällt Spannung ab; das kann einen größeren Querschnitt erfordern, auch wenn der Strom klein ist.
- Die Umgebungstemperatur.
- Die vorgeschaltete Sicherung. Sicherung und Querschnitt gehören zusammen.
In der Praxis sind 1,5 Quadratmillimeter für Licht- und normale Steckdosenkreise und 2,5 Quadratmillimeter für stärker belastete Kreise die häufigsten Größen, Herd und Wallbox brauchen mehr. Das ist eine Orientierung und keine Auslegung – welcher Querschnitt bei deiner Verlegeart und Länge zulässig ist, rechnet die Fachkraft.
Der entscheidende Zusammenhang: Die Sicherung schützt die Leitung. Eine zu dünne Leitung hinter einer zu großen Sicherung kann überhitzen, bevor abgeschaltet wird. Deshalb darf man nie nachträglich die Sicherung vergrößern, ohne den Querschnitt zu kennen. Mehr dazu in Stromkreis und Absicherung verstehen.
Im Zweifel großzügiger: Der Preisunterschied zwischen 1,5 und 2,5 Quadratmillimetern ist beim Neubau gering. Der Aufwand, später eine zu dünne Leitung zu ersetzen, ist es nicht.
Verlegen im Bestand

- Installationszonen einhalten. Leitungen werden in definierten waagerechten und senkrechten Zonen entlang von Wänden, Decken, Türen und Ecken verlegt – damit man später weiß, wo gebohrt werden darf und wo nicht. Wer davon abweicht, legt eine Falle für alle Nachfolger.
- Nie diagonal. Die Verbindung zwischen zwei Punkten läuft senkrecht und waagerecht, nicht auf dem kürzesten Weg.
- Leerrohr statt direkt einputzen, wo es geht. Dann ist ein Austausch später möglich, ohne die Wand zu öffnen.
- Zugdraht im Leerrohr lassen. Kostet nichts, spart beim Nachziehen viel.
- Reserve an den Enden. Zwanzig Zentimeter Überlänge in jeder Dose ermöglichen spätere Änderungen.
- Verlauf dokumentieren. Fotos der offenen Wand mit Maßband, bevor verputzt wird – das ist eine der wertvollsten Unterlagen eines Hauses.
- Vor jedem Bohren mit einem Leitungssucher prüfen. Siehe Dübel und Befestigung richtig wählen.
- Keine Verbindungen in der Wand ohne zugängliche Dose. Jede Klemmstelle muss erreichbar bleiben.
- Tragende Bauteile nicht ohne Prüfung schlitzen – für Schlitze in tragendem Mauerwerk gibt es Begrenzungen.
Netzwerk- und Datenleitungen
Sie gehören in dieselbe Planung, aber nicht in dasselbe Rohr:
- Getrennt verlegen von Netzleitungen, mit Abstand – sonst koppeln Störungen ein.
- Nicht knicken. Der Mindestbiegeradius ist bei Datenkabeln eine echte Grenze.
- Nicht kürzen und quetschen.
- Details in LAN-Kabel verlegen.
Einkauf
- Bedarf vorher rechnen und Reserve einplanen – eine Leitung, die zwanzig Zentimeter zu kurz ist, ist komplett zu kurz.
- Ganze Ringe sind günstiger als Meterware, wenn der Bedarf groß ist.
- Auf die Kennzeichnung auf dem Mantel achten. Typ, Aderzahl, Querschnitt und Prüfzeichen müssen aufgedruckt sein.
- Kupfer, nicht kupferbeschichtetes Aluminium. Bei sehr billiger Ware lohnt der Blick.
- Nicht in der Sonne lagern.
Typische Fehler
- Mantelleitung im Erdreich verlegt.
- Flexible Geräteleitung fest unter Putz verlegt.
- Querschnitt nach Gefühl gewählt.
- Sicherung vergrößert, Leitung gleich gelassen.
- Diagonal verlegt, später niemand findet die Leitung.
- Kein Leerrohr, alles direkt eingeputzt.
- Keine Reserve an den Enden.
- Verbindung ohne zugängliche Dose in der Wand.
- Verlauf nicht dokumentiert.
- Daten- und Netzleitungen im selben Rohr.
- Beschädigte Leitung geflickt statt ersetzt.
- Zu wenig gekauft und mitten in der Arbeit gestanden.
Fazit: Der Einsatzort bestimmt den Typ
Drei Regeln decken das meiste ab: Ins Erdreich gehört Erdkabel, fest in die Wand gehört Mantelleitung, beweglich belastet wird Gummischlauchleitung. Der Querschnitt gehört gerechnet, nicht geschätzt – und was in der Wand liegt, gehört vor dem Verputzen fotografiert.
