Planung
Stauraum richtig planen
Schränke, Auszüge und Ecklösungen sinnvoll nutzen.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
Stauraum in der Küche wird fast immer in Schrankmetern gedacht – und fast immer falsch. Entscheidend ist nicht, wie viele Schränke du hast, sondern wie viel davon du erreichst, ohne dich hinzuknien und vorne alles herauszuräumen.
Ein klassischer Unterschrank mit Drehtür und Zwischenboden bietet auf dem Papier reichlich Volumen. Praktisch benutzt wird davon der vordere Teil. Der Rest ist bezahlter Raum, in dem Dinge verschwinden.
Auszug schlägt Tür
Der wichtigste einzelne Punkt bei der Küchenplanung: Unterschränke gehören als Auszüge geplant, nicht als Schränke mit Türen.

Der Unterschied ist nicht Komfort, sondern Zugänglichkeit. Bei einem Vollauszug kommt der gesamte Inhalt zu dir – du siehst von oben alles auf einmal und greifst direkt hinein. Bei einer Tür mit Zwischenboden schaust du von vorn in eine Höhle und musst die vorderen Dinge herausnehmen, um an die hinteren zu kommen.
Praktische Punkte dazu:
- Vollauszug, nicht Teilauszug. Ein Teilauszug bleibt zu einem Viertel im Korpus – genau der Bereich, den du nicht einsiehst.
- Hohe Auszüge für Töpfe, flache für Besteck und Werkzeug. Eine Mischung aus einem flachen oberen und zwei tiefen unteren Auszügen deckt fast alles ab.
- Tragfähigkeit beachten. Ein Auszug voller Töpfe oder Konserven wird schwer. Was der Beschlag trägt, steht in den Herstellerangaben – bei Vorratsauszügen ist das kein Nebenpunkt.
- Dämpfung. Selbsteinzug und Dämpfung sind kein Luxus, sondern verhindern, dass ein überladener Auszug beim Zuschieben gegen den Anschlag knallt.
Oberschränke bleiben dagegen sinnvollerweise Türen mit Böden – dort schaust du von unten hinein und siehst ohnehin alles.
Die Ecke: der teuerste Quadratmeter der Küche
In jeder L- und U-Küche gibt es mindestens eine Innenecke. Ohne passende Ausstattung ist sie schlicht verloren: Du kommst mit dem Arm nicht in den hinteren Bereich, und alles, was dort landet, sieht niemand wieder.

Es gibt drei übliche Lösungen:
- Eckauszug (Schwenkauszug). Die Ablagen werden aus der Ecke herausgeschwenkt und kommen nach vorn. Die bequemste, aber auch teuerste Lösung.
- Drehboden (Karussell). Drehbare Tabletts, die den hinteren Bereich nach vorn bringen. Günstiger, verliert aber an den Rändern Platz und ist für hohe Gegenstände unpraktisch.
- Eckschrank bewusst aufgeben. Eine legitime Entscheidung: Die Ecke wird blind ausgeführt und mit selten Gebrauchtem belegt – Einmachgläser, die Weihnachtsform, der zweite Bräter. Dann aber bewusst und nicht mit Dingen, die du wöchentlich brauchst.
Rechne die Mehrkosten für eine vernünftige Ecklösung von Anfang an ein. Nachrüsten ist meist teurer als gleich mitbestellen.
Hochschrank statt Oberschrank
Oberschränke haben ein strukturelles Problem: Das oberste Fach erreicht niemand ohne Tritt, und in der Höhe über etwa 180 cm wird alles zum Lagerplatz statt zum Stauraum.
Ein Hochschrank nutzt dieselbe Grundfläche viel besser. Bei einem Apothekerauszug oder einem Vorratsschrank mit Auszügen ist der gesamte Inhalt von vorn sichtbar und greifbar, vom Boden bis oben.
- Vorratsschrank mit schmalen Auszügen: ideal für Konserven, Nudeln, Öl, Gewürze in Reserve.
- Geräte-Hochschrank für Backofen und Mikrowelle auf Griffhöhe: Der Backofen gehört dorthin, nicht unter das Kochfeld. Ein heißes Blech auf Hüfthöhe herauszuziehen ist deutlich sicherer als aus Kniehöhe.
- Besenschrank für Staubsauger, Wischer, Leiter – braucht keine Küchenausstattung, sondern einfach Höhe.
Wie viel Stauraum brauchst du wirklich
Statt pauschal „so viele Schränke wie möglich“ zu planen, geh von dem aus, was tatsächlich untergebracht werden muss:
- Inventur machen. Was steht heute in der Küche? Notiere grob nach Kategorien: Geschirr, Gläser, Töpfe, Kleingeräte, Vorräte, Backzubehör, Reinigung.
- Aussortieren, bevor du planst. Eine Küche, die für den aktuellen Bestand samt Altlasten geplant wird, ist zu groß und zu teuer.
- Nach Häufigkeit sortieren. Täglich, wöchentlich, selten. Das entscheidet über die Höhe, in der etwas landet.
- Zuordnen. Täglich Gebrauchtes zwischen Hüft- und Schulterhöhe. Wöchentliches darunter oder darüber. Seltenes ganz oben oder in die Ecke.
- Reserve einplanen. Ungefähr ein Fünftel des Stauraums sollte beim Einzug frei bleiben. Eine Küche, die am ersten Tag voll ist, quillt nach einem Jahr über.
Die Griffhöhen-Regel
Der Bereich zwischen etwa Hüfthöhe und Schulterhöhe ist der einzige, den du ohne Bücken oder Strecken erreichst. Dort gehört alles hin, was täglich in die Hand kommt.
- Unterhalb Kniehöhe: schwere und selten gebrauchte Dinge. Schweres gehört nach unten – aus Sicherheitsgründen und weil man es von dort besser heben kann als aus Schulterhöhe.
- Hüfte bis Schulter: tägliches Geschirr, Gläser, Besteck, Kochbesteck, häufige Vorräte.
- Über Schulterhöhe: leichte und seltene Dinge. Nie etwas Schweres – ein herunterfallender Topf aus 1,90 m ist ein echtes Verletzungsrisiko.
Oft vergessen
- Abfalltrennung. Braucht einen kompletten Unterschrank, meist direkt neben oder unter der Spüle. Wer ihn nicht einplant, hat später drei Eimer in der Ecke stehen.
- Kleingeräte. Toaster, Wasserkocher, Standmixer, Kaffeemaschine – entweder du planst eine Fläche, auf der sie dauerhaft stehen, oder einen Schrank, in dem sie verschwinden. Beides braucht Platz, und beides wird regelmäßig vergessen.
- Putzmittel und Lappen. Unter die Spüle, aber nicht in dieselbe Zone wie Lebensmittel.
- Backbleche und Bretter. Brauchen einen schmalen, hohen Einschub – liegend gestapelt kommt man nie an das untere.
- Steckdosen. Stauraum ohne Strom nützt nichts, wenn dort ein Gerät stehen soll. Steckdosen gehören in die Planung, nicht in die Nachrüstung.
- Leergut. Kästen und Flaschen brauchen realistisch eine Stellfläche. Wer das nicht plant, hat sie im Weg.
Kleine Küchen: Höhe statt Fläche
Wenn die Grundfläche knapp ist, gewinnst du Stauraum nur nach oben:
- Oberschränke bis dicht unter die Decke statt in Standardhöhe enden zu lassen. Die oberste Reihe ist Archiv, aber sie kostet keine Grundfläche.
- Schmale Nischen als Apothekerauszug nutzen – schon 15 cm Breite ergeben einen brauchbaren Vorratszug.
- Die Rückwand nutzen: Relingsysteme oder Magnetleisten für Kochbesteck, Messer, kleine Behälter.
- Einen Rollwagen als mobile Ergänzung, der bei Bedarf herausgezogen und sonst untergeschoben wird.
Mehr Ideen dazu stehen in Kleine Räume sinnvoll möblieren.
Typische Fehler
- Unterschränke mit Türen geplant. Spart beim Kauf, kostet jeden Tag.
- Ecke ohne Lösung. Ein toter Winkel, für den du trotzdem den vollen Schrankpreis zahlst.
- Backofen unter dem Kochfeld. Funktioniert, ist aber unbequem und beim heißen Blech unnötig riskant.
- Nach vorhandenem Besitz statt nach Bedarf geplant. Führt zu Schränken für Dinge, die man längst nicht mehr benutzt.
- Keine Reserve gelassen. Nach einem Jahr steht alles auf der Arbeitsfläche.
- Schweres oben eingeräumt. Unbequem und gefährlich.
Fazit: Erreichbar schlägt groß
Plane Stauraum danach, was du ohne Umräumen erreichst. Vollauszüge unten, eine echte Lösung für die Ecke, Hochschränke statt hoher Oberschränke – damit nutzt du dieselbe Fläche spürbar besser, als es jeder zusätzliche Schrank könnte.
Wie hoch die Arbeitsfläche darüber liegen sollte, klärt Arbeitshöhe bestimmen.
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