Checkliste
Arbeitshöhe bestimmen
Arbeitsplatte und Geräte an die Körpergröße der Nutzer anpassen.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
Die Arbeitshöhe ist das Maß, das in einer Küche am direktesten über Rückenschmerzen entscheidet – und das am häufigsten einfach übernommen wird, weil es „so üblich“ ist. Üblich sind rund 90 cm. Passend ist das für Menschen um die 1,70 m; wer deutlich größer oder kleiner ist, arbeitet dauerhaft in einer schlechten Haltung.
Die gute Nachricht: Die Höhe lässt sich bei fast jeder Küche in einem gewissen Rahmen anpassen, und zwar ohne Aufpreis. Man muss es nur vor der Bestellung festlegen.
Die Ellenbogenprobe
Der einfachste und zuverlässigste Weg, die eigene Höhe zu ermitteln:
- Stell dich aufrecht hin, Schuhe an, die du in der Küche üblicherweise trägst.
- Lass die Oberarme locker am Körper hängen und winkle die Unterarme waagerecht nach vorn an.
- Lass jemanden den Abstand vom Boden bis zur Unterseite deines Ellenbogens messen.
- Zieh von diesem Wert etwa 10 bis 15 cm ab. Das ist deine Arbeitshöhe.
Je nach Körpergröße landet man damit typischerweise zwischen 85 und 95 cm, bei sehr großen Menschen auch darüber. Wenn zwei Personen regelmäßig kochen und sich in der Größe deutlich unterscheiden, orientiere dich an der Person, die häufiger in der Küche steht – oder nimm den Mittelwert und gleiche mit einer Sockelmatte für die kleinere Person aus.
Die Höhe entsteht aus drei Teilen
Die fertige Arbeitshöhe setzt sich zusammen aus Sockelhöhe, Korpushöhe und Arbeitsplattenstärke:

- Sockel. Übliche Sockelhöhen liegen zwischen 10 und 15 cm, über verstellbare Schrankfüße lässt sich in diesem Bereich justieren. Das ist der einfachste Stellhebel und kostet nichts.
- Korpus. Die Standard-Korpushöhe beträgt meist 72 cm. Viele Hersteller bieten alternativ höhere Korpusse an – das ist der Weg, wenn du deutlich über die Standardhöhe hinauswillst.
- Arbeitsplatte. Je nach Material und Ausführung zwischen etwa 1,2 und 4 cm. Bei dünnen Platten fehlt dir dieser Zentimeter gegenüber der Standardrechnung.
Rechne konkret nach: Sockel + Korpus + Platte muss deine Zielhöhe ergeben. Und rechne ab fertigem Fußboden – wenn noch Fliesen oder ein Belag dazukommen, verschiebt sich alles nach oben.
Zwei Ebenen: Spüle und Kochfeld getrennt betrachten
Eine durchgehend gleich hohe Arbeitsplatte ist der Normalfall, aber nicht die ergonomisch beste Lösung. Der Grund liegt darin, wo deine Hände bei der jeweiligen Tätigkeit tatsächlich arbeiten:

- An der Spüle arbeiten die Hände unterhalb der Plattenoberkante, nämlich im Becken. Eine Spüle darf deshalb höher eingebaut sein als die Hauptarbeitsfläche – etwa 10 cm mehr sind angenehm, weil du dich dann nicht mehr über das Becken beugst.
- Am Kochfeld arbeiten die Hände oberhalb, nämlich im Topf. Ein Kochfeld darf deshalb tiefer liegen – ebenfalls rund 10 cm –, damit du in einen hohen Topf hineinschauen kannst, ohne auf Zehenspitzen zu stehen.
- Die Vorbereitungsfläche dazwischen bleibt auf der ermittelten Hauptarbeitshöhe.
Ob du das umsetzt, ist eine Abwägung: Ein Höhenversatz kostet mehr, unterbricht die durchgehende Arbeitsfläche und erschwert das Hinüberschieben von Schüsseln. In den meisten Küchen ist eine durchgehende Höhe der bessere Kompromiss. Wenn du aber viel und lange kochst oder ein Rückenproblem hast, lohnt sich der Versatz spürbar.
Ein Zwischenweg: Die Hauptarbeitshöhe etwas höher ansetzen als der reine Rechenwert und beim Kochfeld ein Modell wählen, das flach in die Platte eingelassen wird.
Was über der Arbeitsfläche passiert
- Unterkante Oberschrank: Als Orientierung liegen 50 bis 60 cm über der Arbeitsplatte im angenehmen Bereich. Weniger, und du stößt beim Arbeiten an; mehr, und die oberen Fächer sind unerreichbar.
- Dunstabzug: Hier gilt ausdrücklich die Angabe des jeweiligen Herstellers, nicht die Faustregel. Der Mindestabstand über dem Kochfeld hängt vom Gerätetyp ab und unterscheidet sich zwischen Elektro- und Gaskochfeldern. Diese Angabe ist ein Sicherheitswert – nachlesen, nicht schätzen.
- Steckdosen in der Nischenhöhe: Sollten erreichbar sein, ohne dass du über einen heißen Topf greifen musst.
Checkliste vor der Bestellung
- Ellenbogenprobe gemacht – bei allen Personen, die regelmäßig kochen?
- Zielhöhe festgelegt und notiert, nicht nur „ungefähr so wie jetzt“?
- Ab fertigem Boden gerechnet, inklusive noch kommender Beläge?
- Sockelhöhe, Korpushöhe und Plattenstärke addiert und mit der Zielhöhe verglichen?
- Verstellbereich der Schrankfüße beim gewählten System geprüft?
- Ist die Küche gegenüber der Standardhöhe verändert – dann Einbaugeräte auf Passform prüfen. Ein höherer Korpus bedeutet nicht automatisch, dass jedes Einbaugerät weiterhin passt.
- Oberschrankhöhe an die neue Arbeitshöhe angepasst?
- Abstand Kochfeld zu Dunstabzug nach Herstellerangabe geprüft?
- Fliesenspiegel oder Rückwand passt in die verbleibende Nischenhöhe?
- Höhenversatz für Spüle oder Kochfeld bewusst entschieden – dafür oder dagegen?
- Bei zwei sehr unterschiedlich großen Personen: Kompromiss festgelegt oder Ausgleich (Trittmatte, Podest) eingeplant?
Wenn die Küche schon steht
Eine montierte Küche lässt sich nicht ohne Weiteres in der Höhe ändern – die Arbeitsplatte ist zugeschnitten, der Fliesenspiegel gesetzt, die Geräte eingebaut. Was trotzdem hilft:
- Zu niedrig: Eine stabile, rutschfeste Erhöhung am Hauptarbeitsplatz bringt wenig – besser ist ein dickes Schneidebrett auf einem Untersetzer, das die Arbeitsebene beim Schneiden anhebt. Beim Kochen hilft es, flachere Töpfe zu verwenden.
- Zu hoch: Eine flache Trittmatte hebt dich statt die Küche. Klingt behelfsmäßig, wirkt aber sofort.
- Nur beim Spülen unbequem: Oft reicht ein flacheres Spülbecken oder eine Spülschüssel im Becken, um die Arbeitsebene zu heben.
Typische Fehler
- Standardhöhe ohne Prüfung übernommen. Der häufigste Fall – und der Grund für die meisten Rückenbeschwerden in der Küche.
- Ab Rohboden gerechnet. Der spätere Belag hebt alles an.
- Höhe geändert, Geräte vergessen. Einbaugeräte haben feste Nischenmaße.
- Oberschränke auf Standardhöhe gelassen. Bei erhöhter Arbeitsplatte wird die Nische dann zu niedrig.
- Dunstabzugsabstand nach Gefühl. Das ist eine Herstellerangabe, kein Gestaltungsspielraum.
- Nur nach der größten Person geplant. Wenn die kleinere Person häufiger kocht, ist das die falsche Referenz.
Fazit: Zehn Minuten messen, zehn Jahre bequem
Die Ellenbogenprobe dauert eine Minute, das Nachrechnen von Sockel, Korpus und Platte eine weitere. Danach steht eine Zahl, die du dem Küchenplaner nennen kannst – statt eine Standardhöhe zu akzeptieren, die zufällig passt oder eben nicht.
Wie du die Montage vorbereitest, steht in Küchenmontage vorbereiten.
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