Schraubendreher
Schraubendreher
Der Schraubendreher ist das Werkzeug, das man am häufigsten in die Hand nimmt – und dasjenige, bei dem eine falsche Größe den größten Schaden anrichtet. Ein Dreher, der nicht sauber im Kopf sitzt, rundet die Schraube aus, und dann hilft nur noch Ausbohren.
Im Sortiment stecken einzelne Schraubendreher in den Formen Schlitz, Kreuz, Pozidriv und Torx, Sätze mit mehreren Größen, VDE-isolierte Ausführungen für Arbeiten an Elektroinstallationen sowie Bit-Handhalter. Übliche Klingenlängen liegen zwischen 60 und 200 mm. Die wichtigste Regel: Form und Größe müssen zur Schraube passen, nicht ungefähr, sondern genau.
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Klingenformen unterscheiden
- Schlitz ist die älteste Form, angegeben in Klingenbreite und -dicke, etwa 0,6 × 3,5 mm. Die Klinge sollte den Schlitz vollständig ausfüllen – eine zu schmale Klinge verkantet und bricht die Kante aus.
- Kreuzschlitz (PH) nach Phillips ist so konstruiert, dass der Dreher bei zu hohem Drehmoment absichtlich herausrutscht. Die Größen reichen von PH0 bis PH3.
- Pozidriv (PZ) sieht ähnlich aus, hat aber zusätzliche feine Rippen zwischen den Kreuzflanken und rutscht deshalb nicht heraus. PZ2 ist die häufigste Größe im Holz- und Möbelbau.
- Torx (TX) überträgt das höchste Drehmoment, weil der Stern flächig greift und keine Rutschneigung besitzt.
PH und PZ sind nicht austauschbar, auch wenn sie sich ineinanderstecken lassen. Ein PH-Dreher in einer PZ-Schraube greift nur mit den Kanten und zerstört beide. Erkennbar sind PZ-Schrauben an den zusätzlichen kleinen Strichen zwischen den Kreuzarmen.
Die richtige Größe wählen
Der häufigste Fehler ist eine zu kleine Klinge. Sie sitzt lose, überträgt die Kraft auf einen Bruchteil der Fläche und rundet den Kopf ab.
Die Probe ist einfach: Der Dreher sitzt richtig, wenn er ohne Wackeln in den Kopf greift und die Schraube beim leichten Anheben kurz am Dreher hängen bleibt. Wackelt er, ist er zu klein.
Für den Hausgebrauch decken wenige Größen fast alles ab: PZ1 und PZ2 für Möbel- und Holzschrauben, PH1 und PH2 für Geräte und Bleche, Schlitz 3,5 und 5,5 mm sowie TX10 bis TX25 für alles Moderne.
Die Klingenlänge richtet sich nach der Zugänglichkeit. Lange Klingen erreichen versenkte Schrauben, kurze Stubby-Ausführungen passen dorthin, wo kaum Platz über der Schraube ist.
Griff, Werkstoff und Magnet
Der Griff bestimmt, wie viel Drehmoment ankommt. Ein dicker Griff überträgt mehr Kraft, ein schlanker erlaubt feineres Arbeiten. Mehrkomponentengriffe mit weicher Außenschicht sind rutschfest – im Sortiment sind viele Modelle ausdrücklich als rutschfest ausgewiesen.
Beim Werkstoff der Klinge ist Chrom-Vanadium-Stahl der übliche Standard. Entscheidend ist die Härte der Spitze: Eine weiche Spitze verformt sich beim ersten festsitzenden Schraubenkopf und ist danach unbrauchbar.
Magnetische Spitzen halten die Schraube am Dreher. Über Kopf und in engen Gehäusen ist das ein echter Vorteil. In der Elektronik kann Magnetismus dagegen stören.
Ein Detail, das übersehen wird: Schraubendreher mit durchgehender Klinge bis zum Griffende vertragen leichte Hammerschläge. Bei allen anderen ist der Übergang Klinge–Griff die Sollbruchstelle.
VDE: kein Aufpreis, sondern eine Vorschrift
Für Arbeiten an elektrischen Anlagen sind ausschließlich VDE-geprüfte, isolierte Schraubendreher zulässig. Sie sind einzeln auf 10.000 Volt geprüft und für Arbeiten bis 1.000 Volt zugelassen.
Ein normaler Schraubendreher mit Kunststoffgriff ist nicht isoliert. Der Griff mag isolieren, die Klinge ist es nicht – und genau die berührt beim Arbeiten die Kontakte.
Erkennbar sind VDE-Werkzeuge an der durchgehenden Isolierung bis kurz vor die Spitze und am aufgedruckten Prüfzeichen mit der Doppeldreieck-Kennzeichnung. Beschädigte Isolierung – Risse, Schnitte, Schmelzstellen – bedeutet: aussortieren, nicht reparieren.
Und unabhängig vom Werkzeug: Vor Arbeiten an einer Installation gehört der Stromkreis freigeschaltet und die Spannungsfreiheit geprüft. Isoliertes Werkzeug ist eine zusätzliche Sicherheit, kein Ersatz dafür.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PH und PZ?
Pozidriv (PZ) hat zusätzliche feine Rippen zwischen den Kreuzflanken und rutscht deshalb nicht heraus, Phillips (PH) ist auf Herausrutschen bei hohem Drehmoment ausgelegt. Sie sind nicht austauschbar – der falsche Dreher zerstört Schraube und Klinge.
Woran erkenne ich, ob der Schraubendreher zu klein ist?
Er wackelt im Schraubenkopf. Sitzt er richtig, greift er ohne Spiel und die Schraube bleibt beim leichten Anheben kurz am Dreher hängen. Eine zu kleine Klinge rundet den Kopf beim ersten Widerstand aus.
Reicht ein Schraubendreher mit Kunststoffgriff für Elektroarbeiten?
Nein. Nur VDE-geprüfte, isolierte Werkzeuge sind dafür zulässig – bei ihnen ist die Klinge bis kurz vor die Spitze isoliert. Ein gewöhnlicher Kunststoffgriff schützt die Klinge nicht.
Welche Größen brauche ich zu Hause?
PZ1 und PZ2 für Möbel- und Holzschrauben, PH1 und PH2 für Geräte, Schlitz 3,5 und 5,5 mm sowie TX10 bis TX25. Damit ist der überwiegende Teil der Schrauben im Haushalt abgedeckt.
Passende Bereiche
- Bits & Bithalter – dieselben Antriebsformen für Akkuschrauber
- Werkzeugsets – Grundausstattung mit den gängigen Größen
- Akkuschrauber – wenn von Hand geschraubt zu langsam wird
