Sessel
Ein Sessel ist das Möbel für einen einzelnen Menschen und eine bestimmte Tätigkeit: lesen, fernsehen, ausruhen. Genau deshalb entscheidet hier die Passung zum Körper mehr als bei jedem Sofa – bei einem Zweisitzer teilen sich zwei Personen einen Kompromiss, beim Sessel gibt es keinen.
Der Bereich umfasst klassische Polstersessel, Ohrensessel mit hoher Lehne, Relaxsessel mit Verstellfunktion, Loungesessel und Drehsessel.
Maße, die über die Bequemlichkeit entscheiden
Drei Werte bestimmen, ob ein Sessel nach einer Stunde noch bequem ist:
- Sitzhöhe. Angenehm ist, wenn die Füße flach auf dem Boden stehen und Ober- und Unterschenkel etwa einen rechten Winkel bilden. Zu niedrige Sessel sind zum Aufstehen anstrengend – ein Punkt, der mit den Jahren wichtiger wird.
- Sitztiefe. Sie muss zur Oberschenkellänge passen. Ist sie zu groß, sitzt man nur mit rundem Rücken an der Lehne oder rutscht nach vorn; ist sie zu klein, drückt die Vorderkante. 50 bis 55 cm passen den meisten Erwachsenen.
- Lehnenhöhe. Ein Ohrensessel oder Hochlehner stützt bis zum Kopf und ist zum Ausruhen deutlich bequemer. Ein Loungesessel mit niedriger Lehne ist zum Sitzen gedacht, nicht zum Zurücklehnen.
Bei tiefen Sesseln gilt: Ein Rückenkissen macht aus zu viel Sitztiefe eine passende – umgekehrt lässt sich fehlende Tiefe nicht ausgleichen.
Die angegebene Belastbarkeit ist eine Sicherheitsangabe, keine Komfortangabe. Bei Relaxsesseln mit Mechanik gilt sie zusätzlich für die verstellte Position.
Relaxfunktion: Mechanik, Motor und Platzbedarf
Relaxsessel gibt es mit mechanischer und mit motorischer Verstellung.
Die mechanische Variante wird über einen Hebel oder durch Gewichtsverlagerung ausgelöst. Sie kommt ohne Strom aus und ist robust, verlangt aber etwas Kraft.
Die motorische Variante fährt auf Knopfdruck und ist stufenlos einstellbar – für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit oft die einzige praktikable Lösung. Sie braucht dafür eine Steckdose in Reichweite, und im Stromausfall bleibt der Sessel in der aktuellen Position, sofern kein Notabsenkakku vorhanden ist.
Der Punkt, der beim Kauf am häufigsten übersehen wird, ist der Wandabstand. Klassische Relaxsessel schwenken die Lehne nach hinten und brauchen dafür 30 bis 50 cm Luft zur Wand. Wer den Sessel an die Wand stellen will, braucht ein Modell mit wandnaher Mechanik, das die Sitzfläche nach vorn schiebt statt die Lehne nach hinten.
Prüfe außerdem den ausgefahrenen Zustand insgesamt: Die Tiefe kann sich um einen halben Meter vergrößern und einen Durchgang blockieren.
Bezüge und Polsterung
Beim Bezug gelten dieselben Unterschiede wie bei anderen Polstermöbeln, aber sie fallen stärker auf, weil ein Sessel intensiver genutzt wird als ein Sofaplatz.
- Webstoff ist atmungsaktiv und angenehm auf der Haut – der beste Allrounder.
- Microfaser ist dicht und pflegeleicht; Flüssigkeit zieht langsamer ein.
- Kunstleder lässt sich abwischen, wird aber warm und verhärtet über die Jahre an den Kanten. Nicht direkt neben die Heizung stellen.
- Echtleder ist am langlebigsten, entwickelt Patina und will gelegentlich gepflegt werden.
Bei der Polsterung zählt Formstabilität: Zu weicher Schaum bildet innerhalb kurzer Zeit eine Sitzkuhle. Ein Federkern unter dem Schaum bleibt über die Jahre formstabiler, macht den Sessel aber schwerer und teurer.
Die stärkste Beanspruchung liegt an der Vorderkante der Sitzfläche und an den Armlehnen – dort scheuert jeder Sessel zuerst durch. Ein Blick auf die Nahtführung an diesen Stellen sagt mehr als jede Materialbezeichnung.
Sessel im Raum
Ein Sessel steht selten allein sinnvoll. Er braucht drei Dinge in seiner Nähe:
Eine Ablage. Ein Beistelltisch in Griffweite für Getränk, Buch und Fernbedienung – etwa auf Sitzhöhe oder leicht darüber.
Licht von der richtigen Seite. Eine Stehleuchte gehört hinter die Sitzkante, damit das Licht über die Schulter auf das Buch fällt statt ins Gesicht. Steht sie davor, blendet sie und wirft Schatten auf die Leseebene.
Ausrichtung. Ein Sessel im rechten Winkel zum Sofa schafft eine Gesprächssituation; einer, der frontal zum Fernseher steht, eine Fernsehecke. Beides gleichzeitig funktioniert selten – deshalb sind Drehsessel eine praktische Lösung in Räumen, die beides leisten sollen.
Zum Transport: Sessel werden am Stück oder teilweise zerlegt geliefert. Miss Türbreiten und Treppenhaus, und achte in den Produktdaten auf das Verpackungsmaß statt auf das Möbelmaß.
Häufige Fragen
Welche Sitztiefe ist die richtige?
50 bis 55 cm passen den meisten Erwachsenen. Ist der Sessel zu tief, sitzt man nur mit rundem Rücken an der Lehne – ein Rückenkissen gleicht das aus. Zu wenig Sitztiefe lässt sich dagegen nicht korrigieren.
Wie viel Platz braucht ein Relaxsessel?
Klassische Modelle schwenken die Lehne nach hinten und brauchen 30 bis 50 cm Wandabstand. Für die Aufstellung direkt an der Wand gibt es Modelle mit wandnaher Mechanik, die stattdessen die Sitzfläche nach vorn schieben.
Mechanische oder motorische Verstellung?
Mechanisch ist robust und braucht keinen Strom, verlangt aber etwas Kraft. Motorisch fährt auf Knopfdruck und ist stufenlos – sinnvoll bei eingeschränkter Beweglichkeit, benötigt aber eine Steckdose in Reichweite.
Wo stelle ich die Leseleuchte hin?
Hinter die Sitzkante, damit das Licht über die Schulter auf das Buch fällt. Steht die Leuchte vor dem Sessel, blendet sie und erzeugt Schatten auf der Leseebene.
Passende Bereiche
- Sofas – wenn mehrere Personen sitzen sollen
- Stehleuchten – das Licht für die Leseecke
- Beistelltische – Ablage in Griffweite neben dem Sessel
