Sicherheit
Gefahrstoffe lagern
Kennzeichnung, Belüftung, Trennung und Zugriff sicher organisieren.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
In einer durchschnittlichen Garage stehen mehr Gefahrstoffe, als den meisten bewusst ist: Lacke, Verdünner, Bremsenreiniger, Spraydosen, Kraftstoff, Kleber, Holzschutzmittel, Unkrautvernichter, Poolchemie, Gasflaschen. Einzeln unproblematisch – gemeinsam in einem warmen, geschlossenen Raum ein reales Risiko.
Die Regeln dafür sind überschaubar, und die wichtigste lautet: Trennen, was nicht zusammengehört.
Die Kennzeichnung lesen

Auf jedem Gebinde stehen rautenförmige Piktogramme mit rotem Rand. Sie sagen dir, worauf es ankommt:
- Flamme – entzündbar. Von Zündquellen und Hitze fernhalten.
- Flamme über Kreis – brandfördernd. Diese Stoffe machen ein Feuer erheblich schlimmer und gehören getrennt von brennbaren Stoffen.
- Totenkopf – akut giftig. Unter Verschluss, außer Reichweite von Kindern.
- Ätzwirkung – zerstört Haut und Material. Auffangwanne, Schutzausrüstung.
- Ausrufezeichen – reizend oder gesundheitsschädlich.
- Gesundheitsgefahr (Oberkörper) – ernste Langzeitwirkungen, etwa krebserzeugend oder sensibilisierend.
- Gasflasche – unter Druck stehendes Gas.
- Umwelt (toter Fisch und Baum) – gewässergefährdend. Nie in den Abfluss.
- Explodierende Bombe – explosionsgefährlich.
Etiketten immer am Gebinde lassen. Ein unbeschriftetes Gefäß mit unbekanntem Inhalt ist das größte Problem bei jeder Entsorgung – und im Notfall die Information, die dem Rettungsdienst fehlt.
Niemals in Lebensmittelbehälter umfüllen. Eine Getränkeflasche mit Verdünner ist eine Vergiftungsfalle, besonders für Kinder.
Was nicht zusammen gelagert werden darf
- Brennbares und Brandförderndes müssen getrennt sein. Brandfördernde Stoffe setzen im Brandfall Sauerstoff frei und machen aus einem kleinen Feuer ein schnelles.
- Säuren und Laugen getrennt – sie reagieren heftig miteinander.
- Chlorhaltige Poolchemie getrennt von allem anderen, besonders von Säuren. Aus der Mischung können giftige Gase entstehen. Siehe Poolwasser pflegen.
- Gasflaschen getrennt und im Freien beziehungsweise in einem belüfteten Außenbereich.
- Kraftstoffe getrennt und in zugelassenen Behältern.
- Chemikalien und Lebensmittel – nie im selben Schrank, nie im selben Kühlschrank.
Im Zweifel gilt: Die Gefahrenhinweise auf dem Etikett nennen Unverträglichkeiten. Und: Verschiedene Produktgruppen in verschiedene Fächer – das ist eine einfache Regel, die fast immer richtig liegt.
Wo gelagert wird
Geeignet
- Ein kühler, trockener, belüfteter Raum mit möglichst gleichmäßiger Temperatur.
- Ein abschließbarer Schrank, wenn Kinder im Haushalt sind – und das ist der wichtigste Einzelpunkt.
- Ein Metallschrank ist besser als ein Holzschrank.
- Mit einer Auffangmöglichkeit unter flüssigen Stoffen – eine Wanne oder ein Blech genügt.
Ungeeignet
- Der Heizungsraum. Zündquelle und Wärme in einem Raum mit Lösemitteldämpfen – die denkbar schlechteste Kombination.
- Neben dem Wäschetrockner oder der Gastherme.
- Der Wohnbereich. Lösemitteldämpfe entweichen auch aus geschlossenen Gebinden in kleinen Mengen.
- Das Schlafzimmer und angrenzende Räume.
- Direkte Sonne und ungedämmte Dachböden. Hitze erhöht den Druck in Gebinden – Spraydosen können platzen.
- Frostgefährdete Räume für wasserbasierte Produkte. Dispersionsfarbe, die gefroren war, ist unbrauchbar.
- Der Fluchtweg. Der Kellergang, durch den man im Brandfall hinausmuss, ist kein Lagerplatz.
- Feuchte Keller. Metalldosen rosten durch und laufen aus.
Besondere Fälle
Gasflaschen
- Immer stehend lagern und transportieren, gegen Umfallen gesichert.
- Nicht im Keller und nicht in Räumen unter Erdgleiche. Flüssiggas ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden, wo es nicht abzieht.
- Nicht in geschlossenen Innenräumen, nicht in Treppenhäusern, nicht auf Fluchtwegen.
- Belüfteter Außenbereich oder ein dafür vorgesehener Schrank.
- Ventil geschlossen, wenn nicht in Gebrauch.
- Vor Sonne schützen.
Kraftstoffe
- Nur in zugelassenen, gekennzeichneten Behältern.
- Mengenbegrenzungen für die Lagerung in Wohngebäuden und Garagen sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt – bei größeren Mengen bei der Gemeinde oder der Feuerwehr nachfragen.
- Nicht im Wohngebäude und nicht neben Zündquellen.
- Behälter nicht randvoll füllen – Kraftstoff dehnt sich bei Wärme aus.
- Alter Kraftstoff altert und schädigt Motoren. Vor der Winterpause aus Geräten ablassen.
Spraydosen
Stehen unter Druck und reagieren empfindlich auf Hitze. Nicht in der Sonne, nicht im Auto im Sommer, nicht neben Heizquellen. Auch leere Dosen nie durchstechen oder ins Feuer werfen.
Ölgetränkte Lappen
Ein unterschätztes Brandrisiko: Lappen, die mit Leinöl oder ölhaltigen Holzpflegemitteln getränkt sind, können sich durch die Wärme der Oxidation selbst entzünden – besonders zusammengeknüllt im Eimer.
Richtig: flach ausgebreitet an der Luft trocknen lassen, oder in einem geschlossenen Metallbehälter aufbewahren, oder in Wasser einlegen und dann entsorgen. Nie zusammengeknüllt in den Müll. Siehe Terrasse reinigen und pflegen.
Akkus
Getrennt von brennbaren Stoffen lagern, Kontakte schützen. Siehe Akkus richtig lagern.
Ordnung und Praxis
- Nur kaufen, was gebraucht wird. Der beste Gefahrstoff ist der, der nicht im Haus steht. Restmengen entsorgen statt aufheben.
- Gebinde fest verschließen. Lösemittel verdunsten, Lacke verhauten.
- Aufrecht stehend, nicht liegend.
- Öffnungsdatum notieren. Viele Produkte haben eine begrenzte Haltbarkeit nach dem Öffnen.
- Einmal im Jahr durchsehen und aussortieren: Was ist eingetrocknet, was ist abgelaufen, was steht seit fünf Jahren unberührt da?
- Sicherheitsdatenblätter gibt es für die meisten Produkte online. Sie nennen Lagerbedingungen, Unverträglichkeiten und Erste-Hilfe-Maßnahmen – im Notfall die wichtigste Information.
- Bindemittel bereithalten. Ein Sack Ölbindemittel oder Katzenstreu für ausgelaufene Flüssigkeiten.
- Feuerlöscher in der Nähe, geeignet für die gelagerten Stoffe.
- Rauchmelder auch im Lagerbereich.
Reste entsorgen

Der Punkt, an dem am häufigsten falsch gehandelt wird – meist aus Bequemlichkeit.
- Niemals in den Abfluss. Weder Farbreste noch Verdünner, Öl oder Chemie. Die Kläranlage kann das nicht abbauen, und gewässergefährdende Stoffe richten erheblichen Schaden an.
- Niemals in den Hausmüll, solange sie flüssig sind.
- Niemals in die Umwelt – kein Ausgießen im Garten, kein Abkippen im Wald.
- Zur Schadstoffsammlung: Wertstoffhof, Schadstoffmobil, kommunale Sammelstelle. Für Privathaushalte in aller Regel kostenlos.
- Eingetrocknete Dispersionsfarbe darf in vielen Gemeinden in den Restmüll, die leere Dose in den Wertstoff. Offen stehen lassen, bis sie fest ist. Was bei dir gilt, sagt die Abfallsatzung.
- Lösemittelhaltige Lacke gehören auch eingetrocknet zur Schadstoffsammlung.
- Altöl nimmt die Verkaufsstelle in der Menge zurück, die dort gekauft wurde.
- Originalgebinde verwenden und Etiketten dranlassen – die Annahmestelle muss wissen, was sie bekommt.
- Nicht mischen. Verschiedene Reste in einem Kanister zusammenzuschütten ist gefährlich und macht die Entsorgung schwieriger.
Wenn etwas ausläuft
- Lüften und Zündquellen ausschalten – kein Lichtschalter, kein Stecker, kein offenes Feuer.
- Schutzausrüstung anziehen: Handschuhe, Brille, bei Dämpfen Atemschutz.
- Aufnehmen mit Bindemittel oder Katzenstreu, von außen nach innen.
- Aufgenommenes Material in einen verschließbaren Behälter und zur Schadstoffsammlung.
- Bei größeren Mengen, bei Gasgeruch oder bei unbekanntem Stoff: Raum verlassen, lüften, Feuerwehr rufen.
- Bei Haut- oder Augenkontakt: gründlich mit Wasser spülen, Etikett mitnehmen, zum Arzt. Die Nummer des Giftinformationszentrums für deine Region lohnt sich am Telefon zu speichern.
Typische Fehler
- Alles in einen Schrank. Unverträgliche Stoffe nebeneinander.
- Im Heizungsraum gelagert. Zündquelle und Dämpfe.
- Gasflasche im Keller. Gefährlich und nicht zulässig.
- In Getränkeflaschen umgefüllt. Vergiftungsgefahr.
- Etiketten entfernt. Niemand weiß mehr, was drin ist.
- Ölgetränkte Lappen zusammengeknüllt. Selbstentzündungsgefahr.
- Nicht abgeschlossen, obwohl Kinder im Haus sind.
- Reste in den Abfluss. Umweltschaden und in vielen Fällen unzulässig.
- Spraydosen in der Sonne. Können platzen.
- Jahrelang aufgehoben, was man nie wieder braucht.
Fazit: Trennen, beschriften, wegschließen
Ein abschließbarer, belüfteter Schrank außerhalb des Wohnbereichs, getrennte Fächer für unterschiedliche Produktgruppen, Etiketten drauf und einmal im Jahr aussortieren – damit ist der Großteil des Themas erledigt. Und was du nicht mehr brauchst, gehört zur Schadstoffsammlung, nicht in den Schrank.
