Kaufberatung
Schraubendreher und Bits auswählen
Profile, Größen und Materialien passend zu Schrauben und Drehmoment wählen.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
Schraubendreher und Bits sind das billigste Werkzeug im Haus und gleichzeitig dasjenige, bei dem falsche Sparsamkeit am meisten Ärger macht. Ein Bit für wenige Cent, der nicht richtig sitzt, ruiniert eine Schraube, die dann ausgebohrt werden muss – und manchmal gleich das Werkstück dazu.
Dabei liegt die häufigste Ursache nicht einmal an der Qualität, sondern daran, dass zwei sehr ähnliche Profile miteinander verwechselt werden.
Die Profile und der wichtigste Unterschied

Schlitz
Das älteste Profil, noch bei vielen Beschlägen, Elektroinstallationen und Möbelteilen zu finden. Entscheidend ist, dass die Klingenbreite zur Schlitzlänge passt – eine zu schmale Klinge beschädigt den Schlitz, eine zu breite ragt heraus und zerkratzt das Werkstück.
Kreuzschlitz: PH und PZ
Hier passiert der Fehler, der für die meisten ausgerundeten Schrauben verantwortlich ist. Es gibt zwei verschiedene Kreuzschlitzsysteme, die sich auf den ersten Blick sehr ähneln:
- PH hat ein einfaches Kreuz mit leicht abgerundeten, konisch zulaufenden Flanken.
- PZ hat zusätzlich vier feine Kerben zwischen den Kreuzflügeln und steilere Flanken.
Ein PH-Bit passt scheinbar in eine PZ-Schraube – er hat aber deutlich weniger Anlagefläche und rutscht unter Last durch. Genau das rundet den Schraubenkopf aus.
So erkennst du es: Schau in den Schraubenkopf. Siehst du nur ein Kreuz, ist es PH. Siehst du zusätzlich vier feine Striche zwischen den Kreuzarmen, ist es PZ. Bei Holzbauschrauben, Spanplattenschrauben und Möbelbeschlägen im deutschsprachigen Raum ist PZ der häufigere Fall.
Torx (Innensechsrund)
Sternförmiges Profil mit sechs Zacken. Die Kraft wird nahezu senkrecht auf die Flanken übertragen, dadurch rutscht der Bit praktisch nicht heraus, und es sind deutlich höhere Drehmomente möglich.
Bei modernen Holzbauschrauben, Terrassenschrauben und vielen Maschinen mittlerweile der Standard – und aus gutem Grund. Wenn du die Wahl hast, nimm Schrauben mit Torx-Profil.
Innensechskant (Inbus)
Bei Möbeln, Fahrrädern und Maschinenschrauben verbreitet. Die Größe muss genau passen; ein zu kleiner Schlüssel rundet den Kopf innerhalb weniger Umdrehungen aus.
Weitere Profile
Vierkant, Torx mit Bohrung (Sicherheitsprofil), Tri-Wing und ähnliche begegnen einem bei Elektrogeräten und Spezialanwendungen. Für den Haushalt genügt ein Satz mit den gängigen Profilen; Exoten kauft man bei Bedarf einzeln.
Die Größen, die du brauchst
Bei Kreuzschlitz ist die Größenzahl klein gehalten – im Alltag begegnen dir praktisch nur drei Größen, und die mittlere deckt den Großteil ab. Ein Bit, der eine Nummer zu klein ist, sitzt zu tief und rundet aus; einer, der zu groß ist, sitzt nicht auf Grund und kippelt.
Die Grundausstattung für den Haushalt:
- Kreuzschlitz PZ in drei Größen, PH in zwei bis drei Größen
- Torx in den gängigen mittleren Größen
- Schlitz in zwei bis drei Klingenbreiten
- Innensechskant als Satz
Mehr braucht es erst, wenn ein konkretes Gerät es verlangt.
Schraubendreher oder Bits?
- Feste Schraubendreher sind schneller zur Hand, liegen besser in der Hand und übertragen mehr Kraft bei festsitzenden Schrauben. Für die Werkzeugschublade im Haushalt sind sie die bequemere Lösung.
- Bits mit Halter sind kompakter, günstiger in der Erweiterung und lassen sich im Akkuschrauber verwenden. Für die Werkstatt und für unterwegs praktischer.
- Bitschraubendreher mit Magazin im Griff sind ein Kompromiss – handlich, aber mit weniger Kraftübertragung als ein fester Dreher.
In der Praxis hat man am Ende beides: einen kleinen Satz fester Schraubendreher für schnelle Handgriffe und einen Bitsatz für den Akkuschrauber.
Woran du gute Bits erkennst

- Präzise Kanten. Schau dir die Spitze genau an: Sind die Flanken sauber ausgeformt und die Kanten scharf abgegrenzt, oder wirken sie schwammig und gerundet? Das ist der sichtbarste Qualitätsunterschied.
- Sie sitzen satt. Ein guter Bit hat in der passenden Schraube kaum Spiel und hält die Schraube ohne Magnet fast von allein.
- Härte und Zähigkeit im Gleichgewicht. Sehr harte, billige Bits brechen; zu weiche verformen sich. Markenbits nennen meist eine Materialangabe – wichtiger ist aber, dass sie sich nach zehn Schrauben nicht sichtbar abgerundet haben.
- Torsionszone. Bits mit einer bewusst elastischen Zone im Schaft federn Drehmomentspitzen ab, statt zu brechen. Bei Akkuschraubern und Schlagschraubern deutlich langlebiger.
- Impact-Bits für Schlagschrauber sind zäher ausgelegt. Ein normaler Bit im Schlagschrauber bricht.
Der praktische Ratschlag: Kauf keinen 200-teiligen Billigsatz. Ein kleiner Satz guter Bits in den fünf Größen, die du täglich brauchst, ist mehr wert – und die Exoten aus dem Großsatz benutzt ohnehin niemand.
Schraubendrehergriffe
- Mehrkomponentengriff mit weicher Zone liegt besser und rutscht auch mit feuchten Händen nicht.
- Drehkappe am Ende erlaubt es, mit dem Daumen zu führen und mit der Hand zu drehen – bei langen Schrauben angenehm.
- Sechskant am Griffansatz lässt sich mit einem Maulschlüssel unterstützen, wenn eine Schraube wirklich fest sitzt.
- VDE-geprüfte Schraubendreher sind für Arbeiten an elektrischen Anlagen ausgelegt und einzeln geprüft. Wer an Elektroinstallationen arbeitet, braucht sie – und beachtet zugleich, dass Arbeiten an der festen Installation Sache eines Elektrofachbetriebs sind. Siehe Steckdose oder Schalter austauschen.
Richtig schrauben
- Größe prüfen, bevor du drehst. Der Bit muss satt sitzen. Wackelt er, ist es die falsche Größe oder das falsche Profil.
- Axial drücken. Der Anpressdruck in Achsrichtung verhindert das Durchrutschen – das ist wichtiger als die Kraft beim Drehen.
- Gerade ansetzen. Schräg angesetzt rundet jeder Kopf aus.
- Vorbohren bei Hartholz, nah an Kanten und bei großen Schrauben. Spart Kraft und verhindert Risse.
- Drehmoment am Akkuschrauber einstellen. Lieber zu niedrig anfangen und hochstellen als eine Schraube versenken.
- Bei festsitzenden Schrauben zuerst ein Stück in Anzugsrichtung bewegen, um die Verbindung zu lösen, dann herausdrehen. Bei Rost hilft Kriechöl und Geduld.
Wenn der Kopf ausgerundet ist
- Gummiband zwischenlegen. Ein dickes Gummiband zwischen Bit und Schraubenkopf füllt das Spiel und reicht oft für eine letzte Umdrehung.
- Eine Nummer größerer Torx-Bit lässt sich manchmal in einen ausgerundeten Kreuzschlitz eintreiben und greift dort.
- Schlitz einsägen. Mit einer dünnen Trennscheibe einen geraden Schlitz in den Kopf schneiden und mit einem breiten Schlitzschraubendreher herausdrehen.
- Ausdreher (Linksausdreher) für hartnäckige Fälle.
- Ausbohren als letzte Möglichkeit – erst den Kopf abbohren, dann das Bauteil abnehmen und den Rest mit einer Zange herausdrehen.
Typische Fehler
- PH-Bit in PZ-Schraube. Die mit Abstand häufigste Ursache für ausgerundete Köpfe.
- Eine Nummer zu klein gegriffen. Sitzt zu tief, rutscht durch.
- Schräg angesetzt. Ruiniert den Kopf in Sekunden.
- Zu wenig axialer Druck. Der Bit springt aus dem Kopf.
- Normaler Bit im Schlagschrauber. Bricht.
- Billiger Großsatz gekauft. Viele Größen, keine brauchbare.
- Nicht vorgebohrt. Gerissenes Holz und abgerissene Schrauben.
- Schraubendreher als Hebel oder Meißel benutzt. Verbiegt die Klinge und macht sie unbrauchbar.
Fazit: Profil erkennen, Größe prüfen, drücken
Der Blick in den Schraubenkopf, bevor der Bit angesetzt wird, dauert eine Sekunde und erspart die allermeisten ausgerundeten Schrauben. Und ein kleiner Satz guter Bits schlägt jeden großen Satz schlechter.
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