Anleitung
Fassade streichen
Untergrund, Fassadenfarbe und Wetterbedingungen richtig berücksichtigen.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
Ein Fassadenanstrich ist die sichtbarste Renovierungsmaßnahme am Haus – und die, bei der am meisten davon abhängt, was du vorher gemacht hast. Farbe deckt Schmutz, Algen und kreidende Altanstriche nur optisch zu; halten tut sie darauf nicht. Dein eigentlicher Aufwand steckt deshalb in der Vorbereitung, nicht im Streichen.
Diese Anleitung beschreibt den Anstrich einer intakten Putzfassade. Wie viele Anstriche du brauchst, wie lange sie trocknen und welche Grundierung dazugehört, hängt von deinem Farbsystem und vom Untergrund ab und steht im technischen Merkblatt – pauschale Zahlen findest du hier bewusst nicht.
Zuerst: Ist die Fassade überhaupt streichfähig?
Ein Anstrich ist eine dünne Schicht auf einem tragfähigen Untergrund. Er saniert nichts. Bevor du dich für eine Farbe entscheidest, prüf deshalb den Zustand – so wie es Fassadenschäden beurteilen beschreibt.
- Risse und Abplatzungen reparierst du vorher – siehe Außenputz ausbessern. Farbe überbrückt keinen Riss dauerhaft.
- Hohl klingende Bereiche lösen sich mitsamt dem neuen Anstrich.
- Feuchte Stellen sind ein Grund, den Anstrich zu verschieben und erst die Ursache zu suchen.
- Bewuchs und Verschmutzung müssen runter – überstreichen hilft nicht.
Den Untergrund prüfen
Drei einfache Prüfungen sagen dir mehr als jede Farbberatung:
- Wischprobe auf Kreiden: Wisch mit der Hand oder einem dunklen Tuch über die trockene Fassade. Bleibt eine deutliche pudrige Schicht zurück, kreidet der Altanstrich. Darauf haftet neue Farbe nur, wenn du die lose Schicht entfernst und den Untergrund verfestigst.
- Haftprobe: Drück einen Streifen kräftiges Klebeband fest an und zieh ihn ruckartig ab. Bleibt Beschichtung daran hängen, sitzt der Altanstrich nicht mehr fest.
- Saugprobe: Sprüh etwas Wasser auf. Zieht es sofort vollständig ein, ist der Untergrund stark saugend. Perlt es ab, ist er wasserabweisend – das verändert deine Wahl von Grundierung und Farbe.
Außerdem solltest du wissen, was bereits auf der Fassade ist. Ein mineralischer Untergrund mit Silikatfarbe verlangt andere Produkte als eine kunstharzgebundene Beschichtung. Wenn du es nicht sicher weißt, nimm ein Bruchstück mit in den Baustoffhandel oder hol dir eine fachliche Einschätzung – ein unpassendes System löst sich oft erst nach dem zweiten Winter.

Reinigen
- Trockener Schmutz und lose Teile: Bürste oder kehre sie ab.
- Hochdruckreiniger: Wirksam, aber geh vorsichtig damit um. Zu hoher Druck oder zu geringer Abstand treibt Wasser in den Putz und trägt die Oberfläche ab. Arbeite mit flachem Winkel und genug Abstand und fang an einer unauffälligen Stelle an. Bei rissigem oder mürbem Putz lass ihn besser ganz weg.
- Nach dem Nassreinigen muss die Fassade vollständig durchtrocknen. Wie lange das dauert, hängt von Putzart, Wandaufbau und Wetter ab – rechne in Tagen, nicht in Stunden.
- Ausblühungen: Bürste sie trocken ab. Sie sind ein Hinweis auf Feuchtetransport – wenn sie wiederkommen, ist der Anstrich nicht deine Lösung.
Algen und Pilze: nicht einfach überstreichen
Grüner oder schwarzer Bewuchs stirbt unter einer neuen Farbschicht nicht ab. Er arbeitet weiter, hebt die Beschichtung an und schlägt dir nach kurzer Zeit wieder durch.
- Entfern den Bewuchs mechanisch – bürsten, abwaschen.
- Anschließend wird üblicherweise ein Mittel gegen den verbliebenen Bewuchs eingesetzt. Welches geeignet ist, wie es angewendet wird und welche Einwirkzeit gilt, gibt ausschließlich das Produkt vor.
- Schütz dich und die Umgebung: Solche Mittel sind Biozide. Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz gehören dazu – und deck Pflanzen, Teiche und Regenwassereinläufe ab.
- Denk an die Ursache: Bewuchs entsteht dort, wo die Fassade lange feucht bleibt. Ein zurückgeschnittener Strauch, eine reparierte Rinne oder eine funktionierende Tropfkante bringen dir oft mehr als jedes Anstrichsystem.
Grundierung
Ob du grundierst und womit, ergibt sich aus der Saugprobe und deinem Farbsystem:
- Stark und ungleichmäßig saugend: Eine Grundierung vereinheitlicht das Saugverhalten. Ohne sie entstehen Flecken und Ansätze, weil die Farbe unterschiedlich schnell anzieht.
- Sandend oder kreidend: Hier ist ein verfestigender Tiefgrund üblich – aber erst, nachdem du die lose Schicht entfernt hast. Grundierung ersetzt das Abbürsten nicht.
- Kaum saugend: Braucht eher einen Haftvermittler als einen Tiefgrund.
Grundierung und Farbe gehören zum selben System. Wenn du sie aus unterschiedlichen Produktlinien kombinierst, handelst du dir eine der häufigsten Ursachen für Haftungsprobleme ein.
Farbe passend zum Untergrund wählen
Nicht die Farbe bestimmt den Untergrund, sondern umgekehrt. Die gängigen Gruppen unterscheiden sich vor allem darin, wie stark sie den Wasserdampfdurchgang behindern und wie sie auf dem Untergrund haften.
- Mineralische Systeme (etwa Silikat- oder Kalkfarben) sind sehr diffusionsoffen und verbinden sich mit mineralischen Untergründen. Sie verlangen einen dazu passenden Untergrund und eine sorgfältigere Verarbeitung.
- Dispersionsbasierte Fassadenfarben sind einfacher zu verarbeiten und breit einsetzbar, bilden aber einen Film auf der Oberfläche.
- Silikonharzbasierte Systeme werden häufig gewählt, wenn eine wasserabweisende Oberfläche bei gleichzeitig gutem Dampfdurchgang gewünscht ist.
Zwei Punkte, die häufiger unterschätzt werden:
- Verschließ die Diffusionsfähigkeit nicht: Auf einem Untergrund, der nach außen trocknen können muss, ist eine sehr dichte Beschichtung ungünstig. Die Feuchtigkeit staut sich dann hinter der Schicht – siehe Mauerwerk schützen.
- Farbton und Wärme: Dunkle Töne heizen sich in der Sonne stärker auf. Auf gedämmten Fassaden gibt es dafür Einschränkungen des Systemherstellers – das ist keine Geschmacks-, sondern eine technische Frage.
Wetter und Zeitpunkt
- Beachte die untere Temperaturgrenze – für Luft und Untergrund. Der genaue Wert steht auf dem Produkt und gilt auch für die Nacht danach.
- Streich nicht in der prallen Sonne. Die Farbe zieht zu schnell an und die Ansätze werden sichtbar. Weich der Sonne über den Tag aus und arbeite jeweils auf der beschatteten Seite.
- Nicht bei starkem Wind: Er trocknet die Oberfläche vorzeitig und trägt Sprühnebel und Staub ein.
- Plan den Regen ein: Frische Beschichtung darf nicht abgewaschen werden. Sieh dir die Wettervorhersage für die kommenden Tage an, bevor du anfängst.
- Denk an den Taupunkt: In den Abendstunden schlägt sich Feuchtigkeit auf kühlen Flächen nieder. Hör rechtzeitig auf.
Vorbereiten und Abdecken
- Deck alles ab: Fenster, Türen, Rollladenkästen, Fensterbänke, Lampen, Briefkasten, Hausnummer, Klingelanlage.
- Schütz Sockel und Boden: Terrasse, Pflaster und Beete unter der Arbeitsfläche. Fassadenfarbe bekommst du von Pflaster nur schwer wieder ab.
- Nimm Abklebeband für den Außenbereich und halt dich an die maximale Verweildauer des Herstellers – in der Sonne verbackt Band sonst mit dem Untergrund.
- Kleb nicht auf frischen Untergrund: Auf einer eben reparierten Stelle reißt dir das Band die Oberfläche wieder mit ab.
- Zieh das Band ab, solange die Farbe noch nicht vollständig durchgetrocknet ist – sonst reißt der Farbfilm an der Kante ein.
- Regenrinne und Fallrohre: Entweder abdecken oder vorher entscheiden, ob sie mitbehandelt werden.
Arbeitssicherheit
Der gefährlichste Teil deines Fassadenanstrichs ist nicht die Farbe, sondern die Höhe.
- Leiter: Nur auf festem, ebenem Untergrund, mit sicherem Anstellwinkel und ausreichendem Überstand am oberen Ende. Lehn dich nicht seitlich hinaus – versetz lieber die Leiter.
- Ab einer gewissen Höhe und Fläche ist ein Gerüst nicht nur bequemer, sondern die einzig vernünftige Lösung. Es erlaubt zusammenhängendes Arbeiten – und genau das ist Voraussetzung für ein ansatzfreies Ergebnis.
- Gerüst aufbauen lassen oder nur nach Anleitung und mit vollständigem Material selbst stellen. Fehlende Diagonalen und Geländer sind der Regelfall bei improvisierten Gerüsten.
- Arbeite nicht allein, wenn du in der Höhe unterwegs bist.
- Achte auf Stromleitungen, die an oder vor der Fassade verlaufen.
- Schutzausrüstung: Brille beim Arbeiten über Kopf, Handschuhe, rutschfeste Schuhe.
Streichen
- Reihenfolge: Leg erst die Ränder und Anschlüsse mit dem Pinsel vor, dann roll die Fläche. So bleibt die Rollstruktur bis in die Ecken erhalten.
- Arbeite nass in nass: Der wichtigste Punkt. Setzt du frisch an einer angetrockneten Kante an, bleibt das als Ansatz sichtbar. Arbeite einen Wandabschnitt deshalb zügig zu Ende.
- Arbeite bis zu einer natürlichen Kante: Gebäudeecke, Fallrohr, Fenster, Materialwechsel. Eine Unterbrechung mitten in der Fläche siehst du später.
- Wähl das Werkzeug passend: Die Florhöhe der Rolle richtet sich nach der Putzstruktur – grobe Strukturen brauchen mehr Flor, damit die Farbe auch in die Vertiefungen kommt.
- Trag gleichmäßig auf und verteil die Farbe, statt sie auszurollen. Zu dünn ausgerollte Farbe deckt nicht und trocknet fleckig.
- Anzahl der Anstriche: Wie viele Aufträge du brauchst, hängt von Untergrund, Farbton und System ab. Ein deckender Farbwechsel braucht in der Regel mehr als eine Auffrischung im gleichen Ton – die verbindliche Angabe steht im Merkblatt.
- Bleib innerhalb eines Anstrichs beim selben Material: Schütt mehrere Gebinde vorher zusammen, damit kein Farbtonunterschied entsteht.
Das Prinzip kennst du aus dem Innenraum, beschrieben in Wände und Decken streichen – nur sind draußen die Flächen größer, das Wetter spielt mit und Ansätze fallen im Streiflicht der Sonne deutlicher auf.

Wann ein neuer Aufbau nötig ist
Manchmal ist Streichen die falsche Maßnahme. Daran erkennst du es:
- Der Altanstrich lässt sich großflächig ablösen, die Haftprobe fällt eindeutig aus.
- Es liegen mehrere Beschichtungen übereinander, deren Gesamtdicke sich löst.
- Der Putz selbst ist mürbe, sandet oder klingt weiträumig hohl.
- Es gibt viele oder sich verändernde Risse.
- Es besteht ein Feuchteproblem, das nicht geklärt ist.
Dann steht eine Sanierung des Untergrunds an – abtragen, neu aufbauen, gegebenenfalls mit Armierung. Das ist eine andere Größenordnung als ein Anstrich und solltest du fachlich beurteilen lassen.
Typische Fehler
- Auf kreidenden Altanstrich gestrichen: Die neue Schicht löst sich mit der alten.
- Algen überstrichen: Der Bewuchs kommt durch.
- Nach dem Hochdruckreinigen zu früh begonnen: Der Untergrund ist noch feucht.
- Grundierung weggelassen oder aus einem fremden System gewählt.
- Zu dichte Farbe auf einem Untergrund, der trocknen können muss.
- In der Sonne gestrichen: Ansätze und Flecken.
- Mitten in der Fläche aufgehört: Die Kante bleibt sichtbar.
- Farbe zu dünn ausgerollt: Ungleichmäßige Deckung.
- Gebinde nicht zusammengeschüttet: Sichtbarer Farbtonunterschied.
- Klebeband zu spät abgezogen: Der Farbfilm reißt ein.
- Von der Leiter aus zu weit gelehnt: Der häufigste Unfallhergang bei Fassadenarbeiten überhaupt.
Checkliste vor dem ersten Anstrich
- Fassadenzustand geprüft, Reparaturen abgeschlossen und durchgetrocknet
- Wisch-, Haft- und Saugprobe durchgeführt
- Vorhandenes Beschichtungssystem bekannt oder abgeklärt
- Bewuchs entfernt, nicht nur überstrichen
- Fassade nach dem Reinigen vollständig trocken
- Grundierung passend zum Farbsystem
- Farbe passend zum Untergrund und zur Diffusionsfähigkeit
- Farbton mit Systemvorgaben abgeglichen
- Wetter für mehrere Tage geprüft
- Alles abgedeckt, Außenklebeband verwendet
- Gerüst oder Leiter sicher aufgestellt, nicht allein arbeiten
- Flächen so eingeteilt, dass bis zu natürlichen Kanten gearbeitet werden kann
Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist
- Die Fassade ist mehrgeschossig oder nur mit Gerüst erreichbar.
- Es liegt ein Wärmedämmverbundsystem vor – dort gelten Systemvorgaben auch für Farbton und Beschichtung.
- Der vorhandene Aufbau lässt sich nicht bestimmen.
- Der Altanstrich löst sich großflächig.
- Es besteht ein ungeklärtes Feuchteproblem.
- Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
- Es geht um Fördermittel oder eine nachweispflichtige Maßnahme.
Fazit: Die Vorbereitung entscheidet über die Haltbarkeit
Dein Fassadenanstrich hält so lange, wie der Untergrund darunter trägt – nicht länger. Wisch-, Haft- und Saugprobe kosten dich eine halbe Stunde und beantworten die drei Fragen, an denen alles hängt: Muss der Altanstrich runter, brauchst du eine Grundierung, und welches System passt? Wenn du die geklärt hast, ist das Streichen selbst die einfachste Etappe: nass in nass, bis zu natürlichen Kanten, nicht in der prallen Sonne – und mit einem sicheren Standplatz, der wichtiger ist als jedes Detail an der Farbe.
