Planung
Photovoltaikanlage planen
Dachfläche, Ausrichtung, Ertrag, Netzanschluss und Verbrauch zusammen betrachten.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition für zwanzig bis dreißig Jahre. Sie auf ein Dach zu setzen, ist technisch Routine. Sie richtig auszulegen, ist eine Planungsaufgabe – und genau dort entscheidet sich, ob sie sich rechnet.
Dieser Artikel führt durch die Vorarbeit, die du selbst leisten kannst, bevor der erste Fachbetrieb ein Angebot schreibt. Planung und Montage selbst gehören zu Fachbetrieben; der elektrische Anschluss ist ausnahmslos Sache einer Elektrofachkraft und muss beim Netzbetreiber angemeldet werden.
Schritt 1: Das Dach ehrlich beurteilen
- Zustand der Eindeckung. Die wichtigste Frage überhaupt. Eine Anlage liegt dreißig Jahre oben. Wenn das Dach in fünf Jahren neu gedeckt werden muss, gehört die Sanierung vorher gemacht – sonst zahlst du die Demontage und Neumontage der Anlage.
- Tragfähigkeit der Dachkonstruktion. Module und Unterkonstruktion bringen zusätzliches Gewicht auf den Dachstuhl. Bei alten Dachstühlen und bei Aufständerung auf Flachdächern gehört das statisch geprüft.
- Dachfläche und nutzbarer Bereich. Randabstände, Dachfenster, Gauben, Schornsteine, Lüfter und Antennen reduzieren die belegbare Fläche oft deutlich stärker als gedacht.
- Dachdeckung. Ziegel, Betonstein, Blech, Bitumen, Schiefer und Welleternit brauchen jeweils unterschiedliche Befestigungssysteme. Bei asbesthaltigen Platten gelten besondere Vorschriften.
- Zugang und Gerüst. Ein schwer zugängliches Dach verteuert die Montage.
Schritt 2: Ausrichtung und Neigung
- Süd bringt den höchsten Jahresertrag.
- Ost-West bringt etwas weniger Gesamtertrag, aber eine breitere Tageskurve – morgens und abends mehr. Für den Eigenverbrauch ist das oft die bessere Verteilung, weil sie zum tatsächlichen Verbrauch passt.
- Nord lohnt in der Regel nicht.
- Neigung. Ein weiter Bereich funktioniert gut; die üblichen Dachneigungen im Wohnungsbau liegen meist im günstigen Bereich. Flache Neigungen verschmutzen stärker und werden schlechter vom Regen gereinigt.
- Abweichungen von Süd kosten weniger, als viele annehmen. Eine deutlich nach Osten oder Westen gedrehte Fläche liefert immer noch einen erheblichen Teil des Südertrags.
Verschattung prüfen

Der Punkt, der in Angeboten am häufigsten zu optimistisch behandelt wird. Verschattung wirkt überproportional: Ein teilverschattetes Modul zieht im ungünstigen Fall einen ganzen Strang mit herunter.
- Verschattungsquellen: Schornstein, Gaube, Antenne, Nachbargebäude, Bäume, Satellitenschüssel, Blitzableiter, benachbarte Dachflächen.
- Über den Tag und über das Jahr denken. Im Winter steht die Sonne tief – der Schatten des Nachbarhauses reicht dann sehr viel weiter als im Juni.
- Selbst dokumentieren: An einem sonnigen Tag stündlich ein Foto der Dachfläche machen, von morgens bis abends. Das ist eine wertvolle Grundlage für jedes Angebotsgespräch.
- Bäume wachsen. Ein Baum, der heute knapp nicht stört, stört in acht Jahren.
- Technische Antworten auf Teilverschattung sind Leistungsoptimierer je Modul oder Modulwechselrichter. Sie kosten mehr und lohnen nur dort, wo tatsächlich Teilverschattung auftritt – nicht pauschal.
- Eine professionelle Verschattungsanalyse gehört in ein gutes Angebot. Fehlt sie, ist die Ertragsprognose eine Schätzung.
Die Auslegung

Bevor über Modulzahl gesprochen wird, muss der eigene Verbrauch auf dem Tisch liegen.
- Jahresverbrauch ermitteln – aus den letzten drei Abrechnungen, nicht aus dem Gefühl.
- Verbrauchsverlauf abschätzen. Wer tagsüber zu Hause ist, kann deutlich mehr Solarstrom direkt nutzen als ein Haushalt, der von acht bis achtzehn Uhr leer steht.
- Künftige Verbraucher einrechnen: Elektrofahrzeug, Wärmepumpe, Klimagerät. Sie verändern das Bild grundlegend.
- Grundlast bestimmen – was läuft dauerhaft? Kühlgeräte, Router, Umwälzpumpen, Standby.
- Daraus die sinnvolle Anlagengröße ableiten, gemeinsam mit dem Fachbetrieb.
Grundsatz: Das Dach ist der begrenzende Faktor, nicht das Budget für Module. Die Montagekosten fallen ohnehin an – deshalb ist es in der Regel wirtschaftlich, die geeignete Fläche gut auszunutzen, statt bewusst klein zu bauen. Die Frage „wie viel brauche ich“ beantwortet eher die Speichergröße als die Modulzahl.
Wirtschaftlichkeit realistisch betrachten
- Der größte Hebel ist der Eigenverbrauch. Selbst genutzter Strom ersetzt Strom, den du sonst teuer kaufst. Eingespeister Strom bringt die Vergütung – die deutlich niedriger liegt.
- Die Einspeisevergütung ist gesetzlich geregelt und ändert sich regelmäßig. Den aktuellen Satz und die Bedingungen prüfst du vor der Entscheidung bei der zuständigen Stelle oder lässt sie dir im Angebot schriftlich nennen.
- Steuerliche Behandlung hat sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Das gehört in ein Gespräch mit der Steuerberatung, nicht in eine pauschale Aussage.
- Förderungen gibt es auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, oft zeitlich befristet und meist vor Auftragsvergabe zu beantragen. Vorher prüfen.
- Laufende Kosten nicht vergessen: Versicherung, Zählermiete, gegebenenfalls Wartung, Wechselrichtertausch nach etwa zehn bis fünfzehn Jahren.
- Vorsicht bei Amortisationsrechnungen mit optimistischen Strompreissteigerungen. Lass dir die Annahmen offenlegen.
Anmeldung und Formales
- Netzbetreiber. Die Anlage muss angemeldet und die Inbetriebnahme gemeldet werden. Der Fachbetrieb übernimmt das üblicherweise.
- Marktstammdatenregister. Die Registrierung ist verpflichtend und fristgebunden.
- Zählerwechsel. Ein Zweirichtungszähler wird benötigt.
- Vermietete oder gemeinschaftliche Immobilien brauchen die Zustimmung von Eigentümer beziehungsweise Gemeinschaft.
- Denkmalschutz und Gestaltungssatzungen können Auflagen machen. Vor der Planung bei der Gemeinde nachfragen.
- Gebäudeversicherung informieren und Deckung klären.
Angebote vergleichen
- Drei Angebote einholen, mindestens.
- Auf Vollständigkeit achten: Module, Wechselrichter, Unterkonstruktion, Verkabelung, Überspannungsschutz, Gerüst, Elektroarbeiten, Anmeldung, Inbetriebnahme, Dokumentation.
- Belegungsplan verlangen – welche Module liegen wo, mit welchen Abständen.
- Ertragsprognose mit Annahmen und Verschattungsanalyse.
- Garantien unterscheiden: Produktgarantie und Leistungsgarantie der Module, Garantie des Wechselrichters, Gewährleistung auf die Montage.
- Wer haftet für Dachdurchdringungen? Das schriftlich klären.
- Referenzen und Erreichbarkeit des Betriebs. In zehn Jahren willst du jemanden erreichen können.
- Skepsis bei Haustürgeschäften und bei Angeboten, die sofort unterschrieben werden sollen.
Was mitgeplant gehört
- Speicher – auch wenn er erst später kommt, sollte der Wechselrichter dafür vorbereitet sein. Siehe Batteriespeicher dimensionieren.
- Wallbox, siehe Wallbox vorbereiten.
- Energiemanagement für Überschussnutzung, siehe Eigenverbrauch erhöhen.
- Netzwerkanbindung für die Überwachung, siehe Solaranlage überwachen.
- Leerrohre vom Dach zum Technikraum, großzügig dimensioniert.
- Platz im Technikraum für Wechselrichter und später den Speicher – mit Belüftung und Zugang.
- Blitz- und Überspannungsschutz.
Typische Fehler
- Anlage auf ein sanierungsbedürftiges Dach gesetzt.
- Verschattung unterschätzt oder nur zur Mittagszeit betrachtet.
- Eigenverbrauch nicht ermittelt, Anlage nach Bauchgefühl dimensioniert.
- Künftige Verbraucher nicht eingerechnet.
- Nur ein Angebot eingeholt.
- Ertragsprognose ohne Annahmen akzeptiert.
- Speicher nicht mitgedacht, Wechselrichter später nicht erweiterbar.
- Keine Leerrohre und kein Netzwerk zum Technikraum.
- Förderung nach Auftragsvergabe beantragt.
- Marktstammdatenregister-Frist versäumt.
- Versicherung nicht angepasst.
- Statik nicht geprüft bei Aufständerung oder altem Dachstuhl.
Fazit: Erst Dach, Schatten und Verbrauch – dann Module
Die drei Fragen, die alles andere bestimmen, sind: Hält das Dach noch dreißig Jahre, wo fällt wann Schatten, und wie viel Strom verbrauche ich wann? Beantworte sie sauber, bevor du Angebote einholst. Dokumentiere die Verschattung mit eigenen Fotos, leg deine Verbrauchsdaten auf den Tisch und denk Speicher, Wallbox und Netzwerk gleich mit – auch wenn sie erst später kommen.
