Planung
Regenwasser nutzen
Regentonne, Zisterne und Filterung sinnvoll in die Bewässerung einbinden.
Bildhinweis: Die Abbildungen in diesem Ratgeber wurden mit KI erstellt und dienen der Veranschaulichung.
Regenwasser ist kostenlos, weich, kalkfrei und für Pflanzen besser als Leitungswasser. Es fällt ohnehin auf das Dach und läuft sonst in die Kanalisation. Die Frage ist nur, wie viel Aufwand sich lohnt – von der Regentonne für 40 Euro bis zur Erdzisterne mit Hauswasserwerk liegen einige Größenordnungen dazwischen.
Wie viel Wasser kommt zusammen
Die Rechnung ist einfach: 1 Millimeter Niederschlag auf 1 Quadratmeter Dachfläche ergibt 1 Liter Wasser.

Bei einer Dachfläche von 100 m² und einem einzelnen Regenereignis von 10 mm sind das also rund 1.000 Liter – abzüglich dessen, was auf dem Dach verdunstet und in der Rinne hängen bleibt. Als praktischer Abschlag rechnet man je nach Dachart mit einem Verlust von grob 10 bis 25 Prozent.
Maßgeblich ist die Grundfläche des Daches, nicht die schräge Dachfläche – für die Regenmenge zählt, wie groß der Schatten des Daches auf dem Boden wäre.
Über ein Jahr kommt so auch bei bescheidenen Dachflächen eine erhebliche Menge zusammen. Das Problem ist nicht die Menge, sondern die Verteilung: Es regnet, wenn du nicht gießen musst.
Welcher Speicher passt
Regentonne
Der Einstieg. Wird am Fallrohr angeschlossen, fasst typischerweise ein paar hundert Liter.
Reicht für: Kübelpflanzen, Balkonkästen, ein kleines Beet.
Praktische Punkte: Stell sie erhöht auf einen stabilen Sockel – dann passt die Gießkanne unter den Hahn, und der Höhenunterschied gibt etwas Druck. Achte auf einen deckelfesten Verschluss: eine offene Tonne ist eine Mückenbrutstätte und eine Gefahr für Kinder und Kleintiere.
Tonnenverbund
Mehrere Tonnen, unten mit einem Schlauch verbunden. Sie füllen sich gemeinsam und wirken wie ein größerer Speicher. Günstig und flexibel erweiterbar.
Flachtank oder Erdtank
Ein größerer Behälter, oberirdisch oder eingegraben, mit mehreren Kubikmetern Volumen.
Reicht für: die Gartenbewässerung insgesamt, auch über Trockenphasen hinweg.
Aufwand: Erdarbeiten, Statik der Grube, Zuleitung, Überlauf, meist eine Pumpe. Kein Wochenendprojekt, aber eine dauerhafte Lösung.
Zisterne mit Hausanschluss
Die Vollversion: Regenwasser versorgt zusätzlich Toilettenspülung, Waschmaschine und Außenzapfstellen. Spart spürbar Trinkwasser.
Wichtig: Eine solche Anlage betrifft die Hausinstallation. Sie ist in der Regel beim Wasserversorger beziehungsweise bei der Gemeinde anzuzeigen, und die Ausführung gehört in Fachhände. Kläre das vorher, nicht danach.
Der Regensammler am Fallrohr
Für Tonnen und kleine Tanks ist der Regensammler das entscheidende Bauteil. Er wird in das Fallrohr eingesetzt und leitet das Wasser seitlich ab.
- Automatische Überlaufsteuerung. Gute Sammler leiten weiter ins Fallrohr, sobald die Tonne voll ist. Ohne diese Funktion läuft die Tonne über und du hast eine dauerfeuchte Stelle an der Hauswand – ein echtes Problem für Putz und Kellerwand.
- Einbauhöhe. Der Sammler bestimmt den maximalen Füllstand. Er wird etwas oberhalb der gewünschten Wasserlinie gesetzt.
- Integriertes Sieb. Hält Laub und Grobschmutz zurück und muss regelmäßig gereinigt werden.
- Winterstellung. Viele Sammler lassen sich im Herbst umstellen oder herausnehmen, damit die Tonne nicht weiter gefüllt wird.
Filter und Wasserqualität
Vom Dach kommt nicht nur Wasser, sondern auch Laub, Moos, Staub, Vogelkot und Pollen.
- Erste Stufe: Laubschutzgitter in der Dachrinne oder ein Laubfangkorb am Einlauf.
- Zweite Stufe: das Sieb im Regensammler beziehungsweise ein Filter vor dem Tank.
- Bei größeren Anlagen: ein Vorfilter oder Wirbelfeinfilter, der den Grobschmutz vor dem Tank abtrennt.
- Bei Tropfbewässerung zwingend: ein Feinfilter hinter der Pumpe. Regenwasser setzt Tropfer deutlich schneller zu als Leitungswasser – siehe Tropfbewässerung verlegen.
Beruhigter Zulauf und Überlauf: Bei größeren Tanks sorgt ein beruhigter Zulauf dafür, dass einströmendes Wasser den Bodensatz nicht aufwirbelt. Der Überlauf sollte mit einem Geruchsverschluss und einem Tiersperrgitter ausgestattet sein.
Wasserqualität: Regenwasser aus dem Speicher ist Brauchwasser. Es eignet sich zum Gießen, für die Toilettenspülung und – bei entsprechend ausgeführter Anlage – für die Waschmaschine. Es ist kein Trinkwasser, und es gehört auch nicht in Planschbecken oder auf Gemüse, das roh gegessen wird und kurz vor der Ernte steht.
Trennung vom Trinkwasser: nicht verhandelbar

Dies ist der Punkt, an dem es keinen Ermessensspielraum gibt:
- Regenwasser- und Trinkwasserleitungen werden niemals miteinander verbunden. Auch nicht über einen Umschalthahn, auch nicht „nur für den Notfall“, auch nicht mit einem Rückschlagventil.
- Nachspeisung von Trinkwasser in einen Regenwasserspeicher – etwa wenn die Zisterne leer ist – ist nur über einen freien Auslauf zulässig, also mit einer sichtbaren Luftstrecke zwischen Trinkwasserauslauf und dem Wasserspiegel. Eine direkte Rohrverbindung ist ausgeschlossen.
- Getrennte Leitungen, die sich nicht verwechseln lassen, und gekennzeichnete Entnahmestellen, an denen erkennbar ist, dass dort kein Trinkwasser kommt.
- Zapfstellen sichern, sodass niemand versehentlich daraus trinkt – besonders im Außenbereich und bei Kindern.
Der Grund ist kein formaler: Über eine Verbindung kann bei bestimmten Druckverhältnissen Brauchwasser in das öffentliche Trinkwassernetz zurückgedrückt werden. Das betrifft dann nicht nur dich.
Anlagen, die ins Haus führen, lässt du deshalb von einem Fachbetrieb ausführen und meldest sie beim Versorger an.
Gebühren und Genehmigungen
- Niederschlagswassergebühr. Viele Gemeinden berechnen sie nach versiegelter Fläche. Wer Regenwasser zurückhält oder versickern lässt, kann unter Umständen reduzierte Gebühren erhalten. Ob und in welcher Form, regelt die jeweilige Gemeindesatzung – nachfragen lohnt sich.
- Abwassergebühr bei Hausnutzung. Wird Regenwasser im Haus verwendet, landet es anschließend im Abwasser. Manche Gemeinden erheben dafür Gebühren und verlangen einen Zwischenzähler.
- Anzeigepflicht. Regenwasseranlagen mit Hausanschluss sind in der Regel beim Wasserversorger anzuzeigen.
Die konkreten Regelungen unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Ein Anruf bei der Gemeinde vor dem Bau ist deutlich angenehmer als eine Nachfrage danach.
Winter
- Tonnen entleeren. Eine volle Tonne sprengt bei Frost. Hahn öffnen, Wasser ablaufen lassen, Deckel drauf.
- Regensammler umstellen oder ausbauen, damit die Tonne nicht wieder volläuft.
- Pumpe und Leitungen entleeren und frostfrei lagern.
- Erdtanks bleiben in der Regel gefüllt – sie liegen unter der Frostgrenze. Die oberirdischen Leitungen dazu müssen aber entleert werden.
Typische Fehler
- Kein Überlauf oder falsch geführt. Dauerfeuchte Stelle an der Hauswand.
- Offene Tonne. Mücken, Algen und ein echtes Sicherheitsrisiko für Kinder.
- Tonne ebenerdig aufgestellt. Die Gießkanne passt nicht unter den Hahn.
- Instabiler Untergrund. 200 Liter wiegen 200 Kilo – der Sockel muss das tragen und darf nicht einsinken.
- Ohne Filter in die Tropfbewässerung. Die Tropfer setzen sich zu.
- Im Winter nicht entleert. Gesprengte Tonne oder Leitung.
- Mit dem Trinkwassernetz verbunden. Unzulässig und gefährlich.
- Anlage nicht angemeldet. Kann teuer werden.
Fazit: Klein anfangen lohnt sich schon
Eine Regentonne mit gutem Sammler und festem Sockel kostet wenig und deckt den Bedarf für Kübel und kleine Beete. Wer mehr will, plant Speichergröße, Filter und Pumpe zusammen – und lässt alles, was ins Haus führt, vom Fachbetrieb machen. Die Trennung vom Trinkwasser ist dabei die eine Regel, bei der es keine Ausnahme gibt.
